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Mal anders auf die Kleine Scheidegg – mal mit «frischen» Beinen ab Lauterbrunnen

Jungfrau-Supporter-Run (mein Lauf am 3. Juli 2020)
Leider fiel – oder fällt – auch der Jungfrau-Marathon vom September in diesem Jahr infolge des…. (ich vermeide das Wort) zum Opfer. Die umtriebigen Organisatoren und wohl auch Touristiker und auch die Zeitmessfirma gaben sich aber nicht einfach so geschlagen und lancierten einen

Supporter-Run,

welchen man in den Monaten Juni – September laufen kann.

D i e s e   Idee sprach mich sofort an!
Auf 9 km und 1200 m Steigung (gemäss Ausschreibung und mittels Garmin von J.K. bestätigt) wurde ein Supporter-Run lanciert. Mittels einer Zeitmess-Schranke beim Bahnhof Lauterbrunnen kann man zu einer x-beliebigen Zeit von ebendiesem Ort einer gut ausgeschilderten Strecke entlang in der Direttissima zur Kleinen Scheidegg laufen, wo am Ende der letzten Wengernalpbahn-Galerie eine weitere Zeitmess-Schranke steht und die Zeit misst. Voraussetzung ist, dass man eine Startnummer für Fr. 35.00 löst, an welcher ein Chip befestigt ist. Natürlich wird trotzdem noch etwas aufs Vertrauen der LäuferInnen gesetzt und gehofft, dass jede ( r ) auch selbst läuft und nicht einen schnelleren Läufer beauftragt. In diesen Fr. 35.00 ist auch der Rucksack- oder Gepäcktransport inbegriffen sowie die Rückfahrt auf der Nicht-GA-Strecke von der Kl. Scheidegg nach Lauterbrunnen oder Grindelwald und – ganz wichtig – ein Finisher-Bier mitsamt edlen Becher. Ein allfälliger Reingewinn kommt den vielen Volunteers zugute, welche teilweise schon seit Jahren ehrenamtlich am «echten» Jungfrau-Marathon mithelfen.

Eine Super-Sache also, welche ich gerne unterstützte (auch wenn ich – als Nicht-Bier-Trinkerin das Finisher-Bier und den schönen Becher nach getaner Arbeit brav nach Hause trug und dort ablieferte!). Aber auch der Beschenkte des Bieres hat ja schon einiges getan für mich…

Wenden wir uns nun aber dem Lauf zu:
Kurz vor 6 Uhr fuhr ich also – noch ohne Maske – am 3. Juli mit der SBB in Turgi los und kam kurz vor 8h30 in Lauterbrunnen an. Das Wetter war bewölkt, nieslig und neblig. Wenige Wanderer waren unterwegs – aber alles in allem ein komisches, düsteres Bild in Lauterbrunnen. In Lauterbrunnen angekommen, erledigte ich noch einen WC-Besuch (sauberes Gratis-WC beim Bahnhof), löste die Startnummer (Achtung: keine Anmeldung vor Ort – Voranmeldung zwingend), packte einen halbe Stengel, ein Zwanzigernötli und einen Ausweis in ein kleines Bauchtäschli und montierte zur Sicherheit noch die Aermlinge. Ich gab den Rucksack ab, welcher es dann ins Baehnli, welches kurz nach 9 Uhr Lauterbrunnen verliess, schaffte. Ich selber startete um  8h45 und musste die ersten 500 Meter auf gut Glück laufen – leider ist auch Lauterbrunnen nicht von «Nachtbuben» verschont, welche die ersten blauen Wegweiser mutwillig entfernten. Ich war froh, anfangs berüchtigtem Stutz am Dorfende den «ersten» Supporter-Run-Wegweiser zu sehen und trabte, bzw. ja, das was möglich war, auf dem Serpentinen-Trail in Richtung Wengen. Aber eines weiss ich jetzt: es ist etwas ganz anderes, wenn man diesen Weg mit 26 Kilometer schweren Waden hoch läuft oder frisch. Es lief mir unheimlich locker, wohl fast so, wie damals 1993, als ich meinen ersten Jungfrau-Marathon, als 31-Jährige, bestritt. Kurz vor Wengen verlässt man die Original-Marathon-Strecke und läuft nicht über Wengwald, sondern direkt ins Dorfzentrum von Wengen, wo man zwar erst rund 3 km aber schon rund 500 m Höhendifferenz geschafft hat. Bald biegt man wieder in die Original-Strecke ein, welche in Richtung Allmend verläuft. An diesem Freitag wurden Erinnerungen wach an meinen ersten Jungfrau-Marathon: es begann ordentlich zu regnen und die Sicht wurde immer weniger. Kurz nach den letzten Wengener Häusern begegnete ich dem letzten Menschen, dann war ich alleine unterwegs! Ich lief nach wie vor – gefühlsmässig – locker und kam gut voran. Kurz nach der Allmend, dort wo man sich auf der Originalstrecke etwas «ausruhen» kann, es nur wenige Steigungsprozente hat und in einem Bogen mit Sicht auf Mürren zu seiner Rechten, da ging es wieder geradeaus. Ich würde mal sagen, der Lauberhorn-Strecke entlang. Es begann nun ziemlich zu schütten und ich zog meine Aermlinge ziemlich weit nach hinten. Als Zuschauer dienten viele Kühe, welche mir gelangweilt nach sahen. Endlich erreichte ich die Wengener-Alp und da es an meiner Hand gerade surrte, schaute ich kurz auf die Uhr und sah eine «7». Jetzt wusste ich, dass es noch 2 Kilometer waren bis ins Ziel und wegen meiner Kenntnisse des Gebietes wusste ich auch, dass diese nicht mehr allzu steil sein würden. Hm…. So gut waren die Kenntnisse leider nicht: Rund 1 ½ Kilometer vor dem Ziel, nach einer (Ski-)Unterführung, steigt es nochmals giftig an. Es surrte nochmals: «bleib Dir treu, Jacqueline, schau nicht auf die Uhr…», sagte ich zu mir. Ich wusste, dass ich nun 8 km zurückgelegt hatte. Aber das Zeitgefühl war in diesem Nebel irgendwie weg. Es ist wirklich nicht ganz einfach, so alleine zu rennen, ohne «Gegner»-Kontakt und erst noch fast ohne Sicht. «Wie lange bin ich wohl schon unterwegs?»,  fuhr es mir durch den Kopf. Aber noch viel mehr sah ich alte Jungfrau-Bilder im Kopf. Die Bilder des ersten (1993) vor allem. Es war so kalt und schüttete dermassen, dass das fürsorgliche und überlegte Grosi Werder mit Klein-Sämeli in Lauterbrunnen blieb. Papi Fabian nahm Stefanie im «Bähnli-Gmoscht» hoch und irgendwo rannten das von ihnen betreute Mami und der «GV» (so nennen unsere Kinder den Grossvater Maus). Hinter Birgit Lennartz und Vroni Steinmann konnte ich den letzten Podestplatz ergattern und irgendwann traf dann auch noch GV ein. Emil lief auch noch, natürlich Ida, und, und, …
Auch in den Sinn kam mir ein Teilnehmer von 2017. Damals einer von vielen – heute würden ihn fast alle Zuschauer und Mitläufer kennen: Daniel Koch! Schon gschpässig, wie dieser Mann innerhalb weniger Tage ein Schweizer Promi wurde…

So verging die Zeit im Flug und plötzlich sah ich ein kleines Zielhäuschen mit Fanions! Ich lief da durch, musste den Bahnhof im Nebel fast etwas «suchen». Ich konnte kaum glauben, dass alles so locker ging und wagte dann einen scheuen Blick auf die Uhr: Unglaubliche 1.26 h zeigte diese an.
Ich war total zufrieden.

Danach marschierte ich schnurstracks zur Gepäckabgabe, wo der Rucksack … noch nicht verfügbar war! Das Bahnpersonal war sehr besorgt, aber ich rechnete den gewissenhaften Bähnlern vor, dass mein Gepäck wohl erst mit dem nächsten Bähnli ankommen würde. So war es  - und ich konnte mich selbst überzeugen, dass die Säcke liebevoll behütet zum Depot getragen werden!

Kurz das I-Phone gezückt, den Bähnler eine Foto «schiessen» lassen, Katzenwäsche… und ab ging’s ins Restaurant, wo man mir freudestrahlend mit dem Finisher-Bier entgegen kam. Wie schon erwähnt, packte ich dieses ein, genehmigte mir aber noch einen Morgen-Kaffee (es war ja noch nicht mal elf Uhr) und  unterhielt den bemitleidenswerten Kellner noch etwas. Ausser ein paar Bähnler kein Mensch im Restaurant, kaum Gäste. Vielleicht wäre er heute sogar noch um ein paar Chinesen und Japaner froh gewesen? Auch konnte er mir trotz all seines Charmes kein Menu vekaufen… schlimme Zeiten also für die Gastroleute auf der Scheidegg… der Kellner verabschiedete mich überschwänglich und ich konnte nicht anders als seine Frage, ob ich wieder mal vorbei käme, bejahen. Also: wenn nochmals jemand an diesen Supporter-Run geht…. Ich sollte noch den Kellner besuchen gehen und käme mit!

Mit dem ebenfalls fast leeren Grindelwald-Bähnli fuhr ich auf die andere Seite runter, wo ich in Grindelwald endlich wieder ans Tageslicht kam und in Richtung Bern weiter fuhr.

Mir hat dieser Ausflug ins Berner Oberland gefallen und ich kann den Supporter-Run allen wärmstens empfehlen. Alle Details auf der Jungfrau-Marathon-Website. Hier noch die Details zu meinem Run:

3. Juli 2020, 9 km gemäss Ausschreibung und Jacquelines Garmin, ca. 1200 m Steigung und gerannt bin ich dies in 1.26.10.

Trotzdem freue ich mich, wieder mal den «richtigen» Jungfrau-Marathon zu laufen!
Jacqueline Keller