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Auf zur alten Liebe – mein erster Ultralauf seit langer Zeit

Ultrabielersee vom 5. September 2020

Nachdem der Schnee geschmolzen war, nahm ich mir vor, meine auf den Langlaufskiern erhaltene Ausdauer gleich noch in den Mai mitzunehmen und meldete mich für den Ultrabielersee-Lauf vom Mai an. Doch dann kam Corona. Zwar für uns Läufer nicht so schlimm, aber auch der Wettkampfbetrieb ruhte ja während dem Lockdown. Organisator Christoph Allemann fasste eine Verschiebung auf den September ins Auge, an welcher er glücklicherweise auch festhalten konnte. Persönlich hatte ich also den ganzen Sommer hindurch ein Fernziel in den Augen und im Sinn – und das war gut so!

So stand ich also mit vielen andern der Schweizer (und Deutschen) Ultraszene an diesem sonnigen Samstagmorgen beim Strandbad Biel, zog mir artig kurz vor dem Start die Maske an, warf diese, ebenso artig, kurz nach dem Start in den Container und «genoss» wieder einmal eine Bielersee-Umrundung. Zur Erinnerung: Die Strecke verläuft auf 50 km, meist auf Fahrrad- und Naturschutz-Wegen links herum (Biel-Täuffelen-Lüscherz-Erlach-PETERSINSEL-Umrundung-Erlach-Le Landeron-La Neuveville-Twann-Biel). Diesmal war sie 600m länger, was ich dann am Schluss des Berichtes noch erklären werde. Das Feld, in welchem auch die Hagneck-Kanal-Halbmarathonläufer mitliefen, zog sich erwartungsgemäss bald in die Länge. Das war auch gut so: denn eines hat sich seit meiner letzten Umrundungs-Teilnahme im 2011 geändert: Dieser Rundweg, welcher mit 12 FUSS-Stunden angegeben ist, wurde seither von den Radfahrern in Beschlag genommen – genauer gesagt von den E-Bike-Fahrern. Ehrlicherweise muss ich sagen, dass dies das Einzige war, was mich effektiv gestört hat. «Sie» kamen, teils in ziemlich grossen Gruppen, von hinten von vorne und auf dem Rückweg auch aus den Tunnels von Prêles, Twann und Tüscherz, welche an den See führten. Und wie man ja inzwischen weiss, sind diese E-Bike-Fahrer nicht die besten Techniker. Es war also teilweise echt mühsam (das ist aber keine Kritik am Organisator – wir kämpfen ja auch auf den Bergwanderwegen damit).

Ich fand ein gutes Tempo, etwas über dem 5er-Schnitt. Wahrscheinlich wäre ein etwas verhaltener Start noch etwas besser gewesen, aber ich konnte das gleichmässige Tempo sehr lange beibehalten. Erst ab km 35 – alle 5km-Abschnitte waren auf den Boden gesprayt – musste ich beissen. Ich spürte auch die Hitze und vor allem den Durst, aber alles ging gut auf. Nur kurz vor Twann, bei km 40, da bettelte ich eine Begleitradfahrerin um etwas Wasser an – und erhielt es glücklicherweise auch. An sich kommt man aber gut mit den offiziellen Verpflegungsstellen durch. Ab km 10 gibt es alle 5 km reichlich bestückte Tische, welche von Freiwilligen betreut werden. An dieser Stelle ein grosses Dankeschön an all diese Helfer, welche doch ziemlich lange im Einsatz stehen. Der frühere RUBI-Lauf, an welchem jeweils Maus und Emil teilnahmen, war ca. 42 km lang, beinhaltete aber nicht die Petersinsel-Umrundung, aber war auf der zweiten Hälfte wohl sehr anstrengend: es ging in einem Auf und Ab durch die Weinberge! Wir bogen in Erlach in eine Landzunge ab, welche von viel Schilf bewachsen ist. Es geht rund 3 ½ km «hinein», ehe es dann auf der eigentlichen Insel, auf welcher ein ehemaliges Kloster (heute ein Hotel-Restaurant) steht. Auf einer Werbetafel steht, dass man hier auf den Spuren von Jean-Jacque Rousseau spazieren und idyllische kleine Strände entdecken könnte…. Könnte! Wir LIEFEN durch diesen wirklich idyllischen Teil, kamen dann bei Erlach wieder nach vorn (wunderbar gelöst: Verpflegungsstand beim Ein- und Ausgang!) und machten uns dann endgültig auf den «Rückweg» auf der Twannerseite nach Biel. Wie erwähnt, musste ich ab La Neuveville «beissen». Die Sonne brannte ziemlich. Glücklicherweise gab es ab und zu noch Läufer, welche ich überholen konnte. So war ich nicht so einsam. Bei Vingelz, nach 48km (ich schaute nur bei km 30 auf die Uhr, aber ab km 45 wusste ich ja jeden Kilometer durch Surren am Handgelenk), zeigte mir ein Zuschauer zwei Finger! Was bedeutete das? Zweiter Rang oder noch zwei Kilometer? Ich sah von diesem Punkt bereits das (vermeintliche) Ziel. Ich sah (Sponsoren-?)Bänder und Sonnenschirme.
Ich probierte nochmals ein wenig Gas zu geben und gelangte am Zielplatz von 2011 … zur Bieler Velobörse!! 😊 Nun war mein Wille gebrochen. Ich schaute nach hinten, sah weder Männlein noch Weiblein und trottete weiter. Nochmals über eine kleine Verenzano-Brücke (mit Auf- und Abstieg!), nochmals um zwei Ecken… und endlich war ich im Ziel. Ich sah auf die Uhr und war nun wirklich sehr überrascht, dass ich mein eigenes Ziel von 4 ½ Stunden doch relativ «locker» erreicht hatte. Und da sass auch schon die erste (?) Frau auf einem Stuhl. Ich gratulierte ihr. Als ich zum Verpflegungsstand marschierte (ja, ich hatte die Kraft dazu noch!), hatte ich plötzlich zwei Männer mit Notizblock und I-Phone im Schlepptau. Sie schwatzten auf mich ein… und ich musste zuerst erklären, dass ich meine Hörhilfen holen müsse, da ich nichts verstehen würde. Gesagt getan und ich war wieder online!
Sie gratulierten mir zum ersten Rang. Ich wies die beiden darauf hin, dass «dort» die erste Frau auf dem Stuhl sitzen würde… (in diesem Moment lief eine weitere Dame ein). Die beiden versicherten mir, dass ich wirklich die Erste sei, die auf dem Stuhl Sitzende sei eine Staffel-Läuferin. Aha, so war das also! Ich wusste nicht richtig, ob ich mich freuen sollte, denn eigentlich darf es doch nicht sein, auch im Ultra-Bereich nicht, dass eine 58-Jährige einen Lauf gewinnt. Nun, dafür kann ich nichts und später freute ich mich dann doch sehr, denn hätte ich ab Twann mit Wille nachgegeben, so hätte mich Julia Fatton-Alter, welche nur 6 Minuten nach mir einlief, noch abfangen können. Es war aber eine riesengrosse Freude, meine «alte» Deutsche Lauffreundin, welche mir an einigen Bergmarathons in den Nuller-Jahren nur die Absätze gezeigt hat, wieder zu sehen. Julia (48) lebt inzwischen im Jura und ist mit Christian Fatton, welchen ich schon seit Junioren-Zeiten kenne, verheiratet. Christian war lange Zeit bei den top Ultra-Läufern Europas.

Der Ultrabielersee ist – fast im Alleingang durch Christoph Allemann organisiert – ein einfach organisierter Lauf. Das Startgeld ist relativ günstig (diesmal verlangte zwar das Strandbad Biel noch Eintritt für die Dusche) und deshalb gibt’s auch keine Datasport- oder andere kommerzielle Zeitmessung. Es war/ist wie einst: gespannt wartete man auf die Rangverkündigung und da war die Freude des Windischers Jörg Desteffani gross, als er als erster M50 ausgerufen wurde. Jörg wohnt im Chapf-Quartier, also kaum 5km entfernt von mir…

Als Kategorien-Sieger erhielten wir Wein aus der durchlaufenen Region: die Frauen aus Schafis (mit wunderbarer Etikette) und die Männer aus Vinelz, dort wächst der Staatswein des Kantons Bern.

Schliessen möchte ich mit einem Zitat, von Stucki Christian – ja genau, von Chrigu, dem Schwingerkönig . Gefragt, wo denn sein Lieblingsplatz sei, antwortete dieser: «Auf dem Fasnachtsberg bei Erlach, es gibt keinen schöneren Ausblick also von dort». Ja, und durch diese Region sind wir gerannt und ich möchte eigentlich gerne noch einmal gemütlich auf den Fasnachtsberg «steigen», die Aussicht von dort geniessen und zurückdenken an den Ultrabielersee-Lauf und andere schöne Läufe…

Jacqueline Keller

N.B. Die Bilder zeigen Stucki Chrigu im Kopfstand auf dem Fasnachtsberg mit Aussicht auf die
Petersinsel und den Bielersee sowie die ersten beiden Damen über 50 km und die beiden
Erstplatzierten der 50-Jährigen (mit Bart: Jörg Desteffani)